"Mein Job ist mein liebstes Hobby."

Ein Porträt über Roman Pott, Inhaber von re|aurigo

Petri+Lehr event, Island experience, Roman Pott
Roman Pott mit Manuela Schermund während der Island Experience 2011
 

Er liebt und lebt seine Arbeit. Seine Begeisterung gehört dem Automobil und dem Gefühl der Freiheit. "Hier gehöre ich mir selbst, hier verfüge nur ich über meine Person." Eine Freiheit, die bereits im Begriff ‚Automobil’ enthalten ist. Zusammengesetzt aus dem griechischen autós ‚selbst’ und dem lateinischen ‚mobilis’ beweglich, wurde in den Anfängen damit der ‚selbstbewegende Wagen’ von den sonst üblichen mit den Pferden gezogen Landfahrzeugen unterschieden.

Genau diese Selbstbewegung und Selbstbestimmtheit stehen bei Roman Pott und bei seinen Kunden im Fokus. Denn, wie er selbst fahren viele auch schon auf vier Rädern: Im Rollstuhl.

Als Nutzer, Experte und Kundenberater in seiner Firma re|aurigo vereint er Erfahrung, Kompetenz und Wissen. Er kennt den Weg, den alle durchlaufen müssen. Nach Unfall oder Krankheit und Monate fremdbestimmter Klinikaufenthalten der erste Schritt zurück in das „normale“ Leben. Immer geht dieser über die Mobilität. „Ja, wieder Auto fahren das wäre klasse! Einfach raus, einfach weg. Alleine.“ Selten wird das Leben mit der neuen Situation schon akzeptiert. Man hadert und zweifelt und will von den notwendigen Petri+Lehr Zusatzprodukten und Umrüstungen, die den Traum vom selbstbestimmten Autofahren ermöglichen, nichts wissen. Herzen schlagen für Cabrios, Motorräder oder Sportwagen. Roman Pott holt die Menschen genau dort ab, wo sie stehen. Er weiß von was er spricht. Er weiß um die Herausforderung, in relativ kurzer Zeit aus einer negativen Lebenseinstellung in eine positive kommen zu müssen. Annehmen was ist und die Schönheiten der Welt (wieder)entdecken.

Er selbst hatte mehr Zeit. Ihn begleitet der Rollstuhl seit seiner Kindheit. (Übrigens, sein Rolli ist teilweise aus Carbon, ein Spitzenmodell!) Er hatte großes Glück. Liebevolle Eltern, die ihn forderten und förderten. Rosa Watte gab es nicht. „Du kannst es.“ war ihr Leitmotiv. Er war überall dabei, bei Schulausflügen, Klassenfahrten, Sport, Musik und bei vielem mehr. Er hatte den notwendigen Freiraum eigene Erfahrungen machen zu können. Das, was ihm gut tat gibt er heute in seiner Beratung weiter: "Suche aktiv deinen eigenen Weg. Selbstbewusst und mit Vertrauen. Du willst einen Sportwagen und fährst Rolli? Dann suche nach der Lösung. Wie kriege ich den verdammten Rolli in den Porsche?"

An seiner Wand hängt die Goldmedaille von 2005. Die gewann er mit dem Deutschen Nationalteam bei der Europameisterschaft in Tschechien im Sledge-Eishockey. Der Sport prägte ihn. Jedes Wochenende war er unterwegs, mehrmals die Woche im Training und in der Welt bei den Spielen. Ohne die eigene Automobilität gar nicht denkbar. Das klingt anstrengend, doch seine Augen glänzen, wenn er in Erinnerungen schwelgt: Die ersten Begegnungen mit dem Team, das Gefühl, doch nicht alleine mit seinem Schicksal zu sein und gleichzeitig die Vielfältigkeit zu erleben. Er spricht von tollem Teamgeist in der Mannschaft. Von dem Lachen und der Ausgelassenheit nach den Spielen. Von den gemeinsamen Siegen und auch Niederlagen, mit Betonung auf gemeinsam. Von der geteilten Freude, die Freude auslöst. Von ganz normalen Gesprächen unter Männern, wer welchen Rolli oder welches Auto fährt und was es Neues in der Welt gibt.

Immer on-the-road ist er noch heute. Doch jetzt steht er im Dienste anderer. Seit 2007 ist er Unternehmer, gründete sein Beratungsunternehmen re-aurigo. (lat. „den Wagen lenken“). Er sensibilisiert das Verkaufspersonal bei den großen Automobilherstellern, berät technisch und betriebstechnisch, prüft und testet neue Produkte für die Mobilität für Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Ganz oben auf seiner Empfehlung stehen die Petri+Lehr Produkte. Aus seiner Sicht als Nutzer und Experte empfiehlt der das Multima3, „weil es super ergonomisch und optisch ansprechend ist“. Aus Sicht des Kundenberaters bevorzugt er den MFD1. „Das Produkt ist schnell erklärt und bei der Vorführung schon verkauft. Es ist im Markt etabliert und leicht verständlich ohne Schnickschnack. Es kann was es können muss, nicht mehr und nicht weniger.“

Taucht man mit ihm gemeinsam tiefer in seine Materie, hagelt es Zahlen und Statistiken. Bei 83,4% der Menschen, die Fahrhilfen benötigen, führt eine Erkrankung im Laufe des Lebens zu einer körperlichen Behinderung. Jährlich werden etwa 100.000 Neufahrzeuge in Deutschland von Menschen mit einer Behinderung zugelassen. Bei einem Neukauf bekommen Schwerbehinderte bei den meisten Automobilherstellern einen Preisnachlass von meist 15% auf den Listenpreis. Wer weiß das schon? Im Gespräch wird immer klarer: Roman Pott berät ganzheitlich. Mit Zahlen, Inhalt, Wissen, aber am meisten als Mensch. Er gibt Mut. Mut für eine Zukunft. Mut zur Selbstbestimmtheit und Eigenverantwortung. In seiner eigenen ruhigen Art. Genau hier ist Roman Pott ein perfektes Vorbild für viele - nicht nur für Rollifahrer.

Aufgebracht wird er nur, wenn jemand ihn an seiner Selbstbestimmtheit hindern will. Wie das geht? Beispiele hat er gleich mehrere. Mit dem Zug fahren zum Beispiel. Bahnbegleiter dürfen aus „versicherungstechnischen Gründen“ keine Hilfestellung beim Ein- und Aussteigen leisten, wenn der „Schweinekäfig“, so nennt er das Gefährt welches einen Rollstuhlfahrer in und aus dem Zug hieven soll, einfach mal wieder nicht da ist. Spontan sein, unmöglich... oder Großkonzerte. Er liebt sie. Aber, das Kartenkontingent steht im Verhältnis von 30 für Rollifahrer zu 50.000 Karten für Fußgänger. Sie raten warum? Aus „versicherungstechnischen Gründen“. Auch das Bier an diesen Abenden kann er oft nicht selbst holen. Niemand darf den Rolli-Bereich verlassen. Gleiche Begründung. Manchmal, sagt er schmunzelnd, kaufe er sich eine normale Karte und pocht beim Einlass auf sein Recht. Dann findet sich sein Gegenüber plötzlich in einer Diskussion über Gleichberechtigung und Grundgesetzparagraphen gefangen. Mit einer derart logisch sachlichen Argumentation, dass man hilflos dasteht und nachdenklich wird. ­­

Machen Behinderungen aus Menschen Behinderte?